Mont St. Michel – wirklich beeindruckend !

April 10, 2009 at 12:26 pm Hinterlasse einen Kommentar

Der Mont St. Michel ist ein uraltes Pilgerziel: Seit mehr als 1000 Jahren strömen die Menschen zu den Reliquien des Erzengels Michael, der an der höchsten Stelle der Pyramidenkonstruktion thront. Heutzutage besuchen bis zu einer Million Touristen jährlich das Denkmal.

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Sensation sind die „Drosselgassen“ die sich entlang der einzigen Straße der Gemeinde, zur Abtei hinauf ziehen. Die Häuser in der Grande Rue stammen aus dem 15. und 16. Jahrhundert.

Entstehungsgeschichte: Wahrscheinlich war der Mont-Saint-Michel schon im 6. Jahrhundert von Mönchen bewohnt. Eine der zahlreichen Legenden besagt, dass im Jahr 704 der Erzengel Michael dem Erzbischof von Avranches im Traum erschien und ihn aufforderte, eine Kapelle auf dem Gipfel des Mont Tombe (Berg des Grabes) zu errichten. Aus der Kapelle wurde eine Stiftskirche mit 12 Kapitularen. Zu dieser Zeit wurde durch eine Flutkatastrophe der Mont vom Festland abgetrennt und zur Insel.

Nachdem im 10. Jahrhundert die Normannen zum Katholizismus konvertiert waren und dafür vom französischen König das Herzogtum Normandie zugesprochen bekamen, stiftete Richard I. im Jahr 966 eine Abtei, die 30 Benediktinermönchen ein zuhause bot. Die Abtei entwickelte sich zu einem kulturellen und wirtschaftlichen Zentrum und besaß große Besitztümer. Im Jahr 1023 wurde mit dem Bau einer größeren Abtei begonnen. Seit dem Beginn der Normannenüberfälle entstand um die Abtei eine befestigte Siedlung. Im 13. Jahrhundert stellte das gotische Bauwerk in schwindelerregender Höhe ein absolutes Wunder dar. Die abermaligen Erweiterungspläne konnten dann durch den beginnenden Hundertjährigen Krieg mit England nicht realisiert werden. Der Mont-Saint-Michel wurde 1254 zur königlichen Festung erklärt und blieb während des gesamten Krieges stets französisch.

Während der Religionskriege begann der Verfall des Mont St. Michel; ein Abt brannte mit der Klosterkasse durch, das Kloster geriet immer mehr in einen desolaten Zustand. Im 17. Jahrhundert übernahm der Mauristenorden den Mont, den er reformieren sollte. Aber auch er bewies wenig Geschick. In der französischen Revolution wurde der Berg säkularisiert und zum Gefängnis umfunktioniert, was er bis 1863 auch blieb. 1874 wurde er zum schützenswerten historischen Monument erklärt, restauriert und gewann wieder an Bedeutung. Seit 1966 leben wieder Mönche auf dem Mont St. Michel.

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Eine weitere  – eher sehr „grausliche“ Legende zur Entstehung findet sich in der Artus-Sage: Artus war gerade auf dem Weg nach Rom, nachdem 12 greise Gesandte des Kaisers Tribut von Britannien forderten, was Artus dem Kaiser ausreden wollte, als ihn ein Bauer ansprach und ihm erzählte, dass im Lande Cotentin, an der Grenze zur Bretagne ein mächtiger Riese hause, der Menschen erschlüge und sich seit sieben Jahren von Kindern ernähre. Vor kurzem habe er die Herzogin der Bretagne entführt, die die Gemahlin von Artus‘ Vetter Howel sei. Der Bauer bat Artus, die Herzogin zu befreien und erwähnte beiläufig, dass der Riese Schätze angehäuft habe „größere, als in ganz Frankreich zu finden sind“. Artus machte sich mit Sir Kay und Sir Bedivere auf den Weg zum Sankt-Michaels-Berg, wo der Riese hauste. Artus fand am Fuß des Berges die Herzogin, die der Riese vergewaltigt und „bis zum Nabel aufgeschlitzt“ hatte. Auf dem Gipfel des Berges fand er den Riesen, der „ohne Hosen bei der Abendmahlzeit saß, an einem Menschenbein nagte und seine mächtigen Glieder am Feuer wärmte“. Drei schöne Mädchen drehten drei Spieße, an denen zwölf neugeborene Kinder steckten. Artus rief: „Der Weltenschöpfer gebe dir ein kurzes Leben und einen schändlichen Tod!“, worauf der Riese aufsprang und mit einer Keule Artus die Krone vom Kopf schlug. Daraufhin „schlitzte der König ihm den Bauch auf und schnitt ihm das Mannesglied ab, dass die Gedärme herausfielen“. Nach einem Ringkampf, bei dem beide den Berg hinabrollten, erstach Artus den Riesen mit seinem Dolch. Unten angekommen, mussten die beiden anderen Ritter Artus aus den Armen des Riesen befreien. Artus ließ seine Ritter den Schatz vom Berg holen und trug seinem Vetter Howel auf, zur Verehrung des heiligen Michael eine Kirche bauen zu lassen.

Seit einigen Jahren ist der Mont vom Verlanden bedroht. Die zwei Kilometer lange Deichstraße, die vor 120 Jahren gebaut wurde, verhindert, dass u.a. die Schlickablagerungen, die der Cousnon heranträgt, ihren Weg ins Meer finden. Jährlich werden ausserdem mehr als eine Million Kubikmeter Sand in der Bucht angeschwemmt, die durch den Straßendamm an Ort und Stelle gehalten werden. Die Sand- und Schlickschicht um die Insel ist inzwischen 15 Meter hoch. Seit Königin Elisabeth II von England, die 1970 zusammen mit Staatspräsident Pompidou zu einem Besuch auf dem Mont war, sich erstaunte, dass dieser „keine Insel mehr“ sei, will man den Damm durch eine Brückenkonstruktion auf Stelzen ersetzen. Ausserdem sollen die Parkplätze direkt an der Abtei verschwinden und aufs Festland verlagert werden.

Weitere Bilder unter FLICKR / Album Mont St. Michael (rj);

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