Ladakh – das kleine Tibet

Juli 4, 2008 at 12:24 pm 3 Kommentare

 INDIEN / „Wie Tibet vor zwanzig Jahren“: So schwärmen viele über Ladakh – das „kleine Tibet“ im nordindischen Himalaya-Massiv.

 

Weit schweift der Blick vom Dach des Klosters Tikse zur schneebedeckten Ladakh-Kette auf der anderen Seite des breiten Tals, in dem der noch junge Indus fließt.
Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken, und so frösteln in der kühlen Morgenluft nicht nur wir, sondern auch die beiden Mönche neben uns. Nach einem Blick auf die Uhr nehmen sie ihre Rangdums auf, holen tief Luft und blasen kräftig in die meterlangen „Alphörner“: Mit dem tiefen, ein wenig heiseren Brummen der Instrumente rufen sie ihre Mitbrüder in den Dukhang zur Pudscha.
Auch wir dürfen dieser Andacht beiwohnen und verharren still in einer Ecke des reich mit Buddha- und Heiligenstatuen geschmückten Versammlungsraums. Die Mönche haben in langen Reihen im „Lotussitz“ Platz genommen. Auf niedrigen Tischen vor ihnen liegen Kultgeräte und Bücher mit buddhistischen Texten, die sie jedoch weitgehend auswendig rezitieren. Das gleichförmige Gemurmel droht uns bereits einzuschläfern, da zerreißen plötzlich Trompetenstöße, begleitet von Trommelschlägen, die feierliche Atmosphäre. Dann geht das fromme Raunen weiter.

 

Teezeit bei den Mönchen
Allmählich tun uns alle Glieder weh – sind wir es doch nicht gewohnt, mit verschränkten Beinen zu sitzen. Gerne würden wir aufstehen, doch wir fürchten, die Gebetsstunde zu stören, wenn wir jetzt den Dukhang verlassen. Da naht Rettung in Gestalt eines in Mönchsrot gekleideten Buben, der eine Riesenkanne schleppt. Vorsichtig gießt der Novize eine braune Flüssigkeit in die fein gedrechselten hölzernen Schalen, die jeder Klosterbruder vor sich stehen hat. Ein eigenartiger Geruch breitet sich aus: It‘s teatime! Zwar mit Buttertee, aber diese Teepause verschafft uns immerhin die Gelegenheit zum diskreten Aufbruch.

 

 

 

Entgegen einer weit verbreiteten Meinung verlangt Buttertee keineswegs ranzige Zutaten. Nur wenn das Fett monatelang ungekühlt in Ziegenhäuten aufbewahrt wird, bekommt es naturgemäß ein kräftigeres Aroma. Eine Kostprobe ist dieser Leibtrunk der Ladakhi (und auch der Tibeter) jedoch allemal wert: Stellt man sich vor, Suppe zu schlürfen, stören weder allfällige Fettaugen noch das Salz.
Neugierig geworden? Beim (vorher organisierten) Besuch eines ladakhischen Hauses kann Buttertee in guter Qualität problemlos verkostet werden. Und dazu vielleicht auch der Chang – ein leicht alkoholisches Gerstengebräu, das besonders bei Festen schnell für gute Stimmung sorgt.

„Om mani padme hum.“ Oh du Juwel im Lotus. Unablässig rufen die Pilger mit diesem Mantra den Mitleids-Boddhisattwa Tschenresi an, den populärsten Heiligen des tibetischen Glaubens. Dazu drehen sie ihre Gebetszylinder und umwandeln die Stupas. Solche Schreine stehen überall im Land, symbolisieren sie doch das buddhistische Erlösungsziel Nirwana. Besonders große Stupas (oder in der Landessprache: Tschörten) zieren das Kloster Lamayuru, das über einer fantastischen „Mondlandschaft“ thront. Ladakh lässt sich auf zwei Wegen erobern: per Flugzeug oder Geländewagen. Die Luft bleibt dem abenteuerlustigen Reisenden in beiden Fällen weg – beim Flug, der ihn in einer Stunde von New Delhi in die ladakhische Hauptstadt Leh auf rund 3500 Meter katapultiert, genauso wie bei der Überlandtour, auf der man auch den höchsten befahrbaren Pass der Welt überquert. Seehöhe: 5606 Meter. Ideal ist natürlich die Kombination beider Routen.

Von Mitte September bis Ende Mai sind die Pässe wegen der Schneemassen nicht befahrbar und Ladakh nur per Flugzeug erreichbar. Aber auch die Flüge können in diesen Monaten bei schlechtem Wetter ausfallen, und Ladakh ist dann für einige Zeit völlig von der Außenwelt abgeschnitten – ein Stückchen Indien am „Ende der Welt“.


 

THEMA: LADAKH (INDIEN)

·         Beste Reisezeit: Ladakh kann nur von Juni bis September bereist werden. Untertags ist es angenehm warm, abends kühlt es schnell ab, doch genügen Pullover und Anorak.

·         Reise-Highlights: eine grandiose Berglandschaft, eindrucksvolle Klosterburgen des tibetischen Buddhismus und die berührende Frömmigkeit der freundlichen Bevölkerung.

·         Gesundheit: Lange Fahrstrecken auf teils schlechten Straßen und die Überquerung von Pässen über 5000 Meter erfordern eine robuste Konstitution. Impfungen sind keine vorgeschrieben, gegen Tetanus, Diphterie, Kinderlähmung, Hepatitis und Typhus sollte man aber (auch zu Hause) geschützt sein.

·         Angebote: Das wohl umfangreichste Ladakh-Programm im Sommer 2007 offeriert Raiffeisen Reisen mit drei Touren zu mehreren Terminen. Eine 15-tägige Reise führt ab 19. Juni 2007 zum berühmten Hemisfest. Eine 20-tägige „Supertour“ ab 15. Juli 2007 enthält zusätzlich zum „Normalprogramm“ das Nubra-Tal, den Moriri-See und die Teilnahme an gleich zwei Klosterfesten. Beide Termine leitet der renommierte Himalaya-Spezialist Gerhard Oberzill. Weiters gibt es eine 10-tägige Kurzreise nach Ladakh mit dem Highlight der Himalaya-Überquerung.

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

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Indien: Hampi – wo ist das? Einmal was ganz anderes… „Weinworte“

3 Kommentare Add your own

  • 1. jeller  |  Juli 6, 2008 um 2:17 pm

    Super Bericht. Da bekomm ich gleich wieder lange Zähne. Ladakh und der Ritt im Allrad-Auto über den Himalaja nach Manali im tropischen Indien vor zwei Jahren mit Raiffeisen Reisen war eine der schönsten meiner vielen vielen Reisen.

    Gibt es die Touren auch auch 2009 wieder?
    lg
    ein Fan

    Antwort
  • 2. joergredl  |  Juli 6, 2008 um 6:27 pm

    Stimmt – wirklich ein einmaliges Erlebnis !
    Ja – sowohl heuer als auch 2009 gibt es wieder einige Touren in diese wunderschöne Himalayaregion. Aber nicht nur mit Gruppen – auch individuell arbeiten wir immer gerne Reisen nach Ladakh, Spiti, Zanskar… für 2 oder auch mehr Personen aus !
    Jörg Redl

    Antwort
  • 3. himsberg9000  |  Juli 7, 2008 um 10:46 pm

    War 2006 in Ladakh – super eindrucksvoll!! Dieses Jahr hätte es Tibet werden sollen…
    Himsberg zum Gruß,
    Maike

    Antwort

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